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Strandbad Wannsee: 1.000 Karthäusernelken werden gepflanzt

Kartäusernelke

Trockenrasen gehören zu den gefährdeten Biotopen. — Auf dem Gelände Strandbad Wannsee gibt es im Hangbereich Flächen, die als Lebensraum für die Wiederansiedlung von inzwischen sehr selten gewordenen wärmeliebenden und trockenheitsresistenten Gräsern und Kräutern dienen.

In Zusammenarbeit der unteren Naturschutzbehörde, dem Landesbeauftragten für Naturschutz, den Berliner Bäderbetrieben und der Koordinierungsstelle Florenschutz bei der Stiftung Naturschutz Berlin, konnten seltene Gräser und Kräuter von einer besonderen Trockenrasenfläche im Bereich der Lieper Bucht am Hang zur Havel zwischen den Haupttreppen des Strandbades erfolgreich umgesiedelt werden.

Mit der Pflanzung von 1.000 Karthäusernelken wird das vorhandene Artenspektrum ergänzt. Die Kartäusernelke, Dianthus carthusianorum subsp. carthusianorum ist eine Nelkenart, die früher häufiger an den lichten Havelhängen des Grunewaldes wuchs.

Der Name Kartäusernelke stammt übrigens von der Landschaft der Chartreuse und dem dort gegründeten Kloster Grande Chartreuse des Kartäuserordens.
Die Pflanze zählte war in vieler Klostergärten als Nutzpflanze bekannt. Alle Pflanzenteile enthalten seifige Bestandteile (Saponine), die in flüssiger Form gegen Muskelschmerzen oder Rheuma wirken.

Naturschutz: Förderung der Trockenrasen
In den vergangenen Jahren wurden bereits vom Aussterben bedrohte Steppenpflanzen, wie z. B. Ohrlöffel-Leimkraut, Steppen-Lieschgras und Schnecken-Klee, durch Saatgutübertragung und Umpflanzung an dem betreffenden Hang im Strandbad Wannsee angesiedelt. So konnte ein Trockenrasen-Lebensraum entstehen, der gleichzeitig auch Lebensraum für zahlreiche besonders wärmeliebende Tierarten ist. Hierzu zählen neben Zauneidechse seltene Schmetterlinge, Solitärbienen, Heuschrecken, Käfer- und Spinnenarten.

Extensive und naturnahe Grünflächenpflege
Die Berliner Bäderbetriebe mähen die Fläche nur einmal im Jahr und sorgen so dafür, dass sie gehölzfrei bleibt und damit die Standortverhältnisse durch eine optimale Besonnung erhalten werden.

In der nunmehr seit über einem Jahrzehnt andauernden Naturschutz-Kooperation konnten weitere Hangflächen durch Gehölzentnahmen für die Entwicklung von Trockenrasen vorbereitet werden.

Damit wird gleichzeitig auch ein attraktiver Ausblick über den Wannsee erhalten, der auch ein Wunsch seitens der Denkmalpflege war, als das Strandbad 2005 restauriert wurde. Beabsichtigt ist, die Entwicklung durch die Ansiedlung von typischen Kräutern und Gräsern des Grunewaldgebietes an weiteren Hangbereichen des Strandbades fortzusetzen. Ziel ist es, innerhalb des Grunewaldgebietes einen Überlebensraum für seltene und gefährdete licht- und wärmeliebende Pflanzen und Tierarten im Rahmen der (denkmalgerechten) Pflege des Strandbades zu erhalten.

Pflanzaktion
Die Pflanzmaßnahme findet am 18.11.2021 ab 12 Uhr statt. Umweltstadträtin Maren Schellenberg, der Landesbeauftragten für Naturschutz sowie von Vertretern der Berliner Bäderbetriebe, der Stiftung Naturschutz Berlin und des Pflanzenschutzprojektes Urbanität & Vielfalt sind vor Ort.