Mittwoch, 21. Februar 2024
Home > Aktuell > Trockenmähen: Gärtner sorgen für Hitzestreß, Austrocknung und Artenschwund

Trockenmähen: Gärtner sorgen für Hitzestreß, Austrocknung und Artenschwund

Trockenmähen im Juli

In der Grünflächenpflege sind Mähgeräte und Großflächen-Mäher mit „Aufnehmern“ für das Mähgut heute aus Sparsamkeits- und Kostengründen üblich. Arbeitssparende und kostensparende Mähmaschinen schaffen Flächenleistungen von 2-3 Hektar pro Stunde. Maßstab für das Mähen ist üblicherweise die Nutzung als Liegewiese. — Doch nicht jede Wiese muss als Liegewiese gepflegt werden!

Biodiversität und Klimaschutz bleiben dabei jedoch meist auf der Strecke, denn mit jedem Mähgang werden viele Blütenpflanzen und lebende Insekten ausgerottet, während regenerationsstarke Gräser sogar gefördert werden.
Die Art der Grünflächenpflege, Mähzeitpunkte, eingestellte Mähhöhe und die Bauart der Mähmaschinen und der Aufnehmer entscheiden auch über Artenvielfalt, über Insektenleben und Mikroklima einer Grünanlage — und über die ästhetische Qualität!

Sieht es ordentlich aus? — Oder wild und ruppig? — Oder naturnah und dennoch mit gepflegter Ordnung?“

Mähgeräte sorgen scheinbar für Ordnung, und aufgeräumte Einheitlichkeit — leider auch für Artenarmut, Artentod, und für Dürre und Trockenheit, wenn im Juni und Juli Rasenflächen mit sehr kurzer Schnitthöhe „trockengemäht“ werden.

So funktioniert das „Trockenmähen“
„Trockenmähen“ ist ein ökonomischer Trick im Immobilienmanagement, der über das Jahr 1-2 weitere Mähgänge und Arbeit sparen kann! — Üblicherweise werden Rasenflächen Mitte Mai bis Ende Mai gemäht, der frische grüne Aufwuchs wird entfernt. Leider auch alle Blütenpflanzen, die oft keine Chance mehr haben, um noch Samen auszubilden und sich weiter zu vermehren.

Wird im Juni/Juli ein zweiter Mähgang mit besonders kurzer Schnitthöhe ausgeführt, bremsen Sommersonne und Austrocknung bis Ende August jeglichen weiteren Aufwuchs völlig aus.

Der Mäher bleibt dann bis in den Spätherbst arbeitslos und wird erst wieder zur „Ausputzmahd“ eingesetzt, mit der auch das Fallaub beseitigt wird.

Klimanotstand, Überhitzung und Verdunstungsbilanz

Allgemeine Erderwärmung und viel sommerlicher Hitzetage mit Temperaturen über 25 Grad belasten heute alle Menschen in der Stadt. Das „Trockenmähen“ ist keine gute Praxis mehr! — Der mögliche Kühlungseffekt von Grünflächen wird ausgerechnet in der sommerlichen Hitzeperiode verspielt! — Die Böden trocknen dabei aus, Bäume verdorren sogar und sterben ab. — Insgesamt wird der strategische Wassermangel in Berlin wird sogar noch verstärkt, weil das Speicherpotential des Oberbodens nicht genutzt wird. Kommt einer der seltenen Regenfälle, verdunstet das Wasser schnell, die Speicherwirkung einer Rasen- und Krautvegetation fehlt.
Auch die nächtliche Taubildung wird durch kahlgemähte Flächen reduziert, schon ab frühen Vormittag ist das kühlende Tauwasser in der Sonne verdunstet, und steht damit auch nicht mehr für Pflanzen zur Verfügung.

Ausweg: naturnahe und extensive Grünflächenpflege

Viele Grünflächen können lebendiger, artenreicher und klimaschonender gepflegt werden. Methoden der naturnahen und extensive Grünflächenpflege helfen, die Wohlfahrtswirkungen des öffentlichen Grüns, Artenschutz und Naturschutz sowie das Mikroklima in eine neues Gleichgewicht zu bringen.
Mähen wird nur an Randstreifen früh angesetzt, damit eine vegetative Ordnung aus Rasen und Wiesen erkennbar markiert wird.
Auf weiten Abstandsflächen kann eine Rasen auch zur Langgraswiese und zur Mähwiese heranwachsen, die erst spät im Herbst gemäht wird.
Das selektive Entkrauten von Beifuss und anderen stark dominanten invasiven Krautpflanzen ist im Sommer hilfreich, um eine Verwilderung und Verkrautung zu vermeiden.
Um Insekten die Überwinterung zu sichern, sind auch ungemähte Wiesenstreifen und Laubhaufen hilfreich, in denen Insekten ihre Eier, Larven und Winterstadien „verstecken“ können.
Diese Flächen werden erst nach der Frostperiode ausgeharkt und schonend gemäht, damit die nächste Insektengeneration aufwachsen kann. — Schon an 1-2 Jahren wird mehr Natur und Artenvielfalt möglich!


Einfach.SmartCity.Machen: Berlin! — Naturnahe und effiziente Grünflächenpflege im Wohnumfeld ist
möglich! — Wer möchte mehr Natur wagen? — Die Redaktion hilft beim neuen Pflegeplan, gibt Tips und begleitet die naturnahe Umstellung mit Fotos und kleinen Erfolgsgeschichten!

Kontakt: info@steglitz-zehlendorf-zeitung.de