Montag, 27. April 2026
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Offen für alle? — Wenn die Tür unerreichbar bleibt

Stadtbibliothek-Lankwitz

Von Rainer Hill


Ich bin Autor und wollte eine Lesung veranstalten.
Nichts Großes. Ein paar Texte, ein paar Menschen, ein Anfang.
Also ging ich in die Stadtbibliothek in Berlin-Lankwitz und fragte nach.
Die Antwort war freundlich, offen, entgegenkommend: Ja, grundsätzlich ist das möglich.
Grundsätzlich.
Denn praktisch gibt es ein Problem, das alles andere bedeutungslos macht:
Die Bibliothek ist nicht barrierefrei zugänglich.
Keine Rampe. Kein einfacher Zugang für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator.
Damit war die Sache für mich erledigt.
Nicht, weil ich selbst betroffen bin.
Sondern weil ich es nicht vertreten kann, eine Lesung an einem Ort zu machen, der von
vornherein Menschen ausschließt.
Doch es geht hier nicht nur um eine Veranstaltung.
Es geht um den Zugang zur Bibliothek selbst.
Denn wer das Gebäude nicht betreten kann, hat auch keine Möglichkeit, sich Bücher vor
Ort auszusuchen, zu stöbern, zu entdecken.
Genau das aber ist der Kern einer Bibliothek.
Der Hinweis, man könne Bücher ja auch online auswählen und bestellen, ist dabei keine
Lösung.

Inklusion ist Pflicht — Barrierefreiheit ist ein „Muss“

Er ist, nüchtern betrachtet, eine Ausrede.
Eine Bibliothek ist mehr als nur ein Ausleihsystem.
Sie ist ein Ort. Ein Raum. Ein Stück gelebte Öffentlichkeit.
Und dieser Raum steht hier nicht allen offen.
Man kann einwenden, dass es sich um ein älteres Gebäude handelt.
Dass Umbauten kompliziert sind.
Das mag alles stimmen.
Aber es ändert nichts an der entscheidenden Frage:
Wie ernst ist es uns mit der viel beschworenen Teilhabe?
Barrierefreiheit ist kein Zusatz.
Kein Bonus. — Pflicht!

Über den Autor

Rainer Hill ist Autor in Berlin. Er lebt in Lankwitz und schreibt selbst verlegte Bücher. Über sich selbst schreibt er: „Ich schreibe Bücher, die Denkanstöße geben – spirituell, gesellschaftlich, satirisch.
Meine Texte bewegen sich zwischen Vision und Wirklichkeit – zwischen Kopf, Herz und Kosmos.“


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